BAD KROZINGEN. Ein großer Publikumserfolg war auch das vierte große
Konzert im Rahmen des Mozartfestes im Kurhaus;
das InCanto-Musiktheater präsentierte in szenischer Aufführung Mozarts
heiteres Singspiel "Bastien und Bastienne" und das
zauberhafte Terzett "Der Hochzeitsbraten" von Franz Schubert. Die
Inszenierungen stammten von Werner Heinrichmöller, der
sein Metier unter anderen bei Hans Neuenfels in Berlin und in der berühmten
Lee-Strasberg-Schule in New York gelernt hat.
Die musikalische Leitung lag in den Händen des jungen Basler Dirigenten
Johannes Tolle.
"Bastien und Bastienne" ist ein Miniaturoperettchen, dessen Handlung
sich um die zeitlosen Banalitäten von Liebe und
Eifersucht dreht. Die Musik ist ungleich anspruchsvoller als das Libretto; Heinrichmöllers
Intention, die Handlung durch eine
moderne Inszenierung aufzupeppen, war sicher nicht falsch. Und was hätte
sich bei einer Dreiecksbeziehung besser
angeboten, als das Ganze mit einem geschickten psychologischen Dreh zu versehen?
Schade, dass dabei das Klischee den
Sieg über die Kreativität davongetragen hat!
Wenn der Vorhang aufgeht, werden die Zuschauer Zeugen einer lieblosen, kalten
Schlafzimmeratmosphäre. Bastienne turnt
im reizlosen karierten Pyjama herum und Bastien im schmuddeligen Trainingsanzug.
Der Rivale Colas ist vom Zauberer zum
Psychiater mutiert; wenn er aus dem Kaffeesatz liest, ist die ironische Anspielung
nicht zu übersehen. Doch insgesamt wirkt
diese szenische Verballhornung des Originals eher krude als originell, die Liebeständeleien
sind mehr krampfig als erotisch.
Zum Glück versöhnen die herrliche Musik und die tollen Sänger.
Michaela Oberndorfer glänzt als Bastienne mit einem brillanten
Sopran, Tino Brütschs (Bastien) souveräner Tenor steht der Leistung
seiner Partnerin nicht nach. Als Dritter im Bunde
überzeugt der Bariton Markus Volpert als Colas. Die drei sind ein ungeheuer
starkes Team. Das zeigt sich auch bei den
Solodarbietungen; Markus Volpert gelingt das Kunstwerk, Mozarts Kabinettstücke
von den Männern, die stets gerne naschen,
mit der richtigen Portion an Witz darzubieten, sodass man den unsäglichen
Text hinnehmen kann ohne sich innerlich zu
krümmen. Die Arie "Als Luise die Briefe ihres untreuen Liebhabers
verbrannte" ist ein Schmankerl für Michaela Obern-dorfers
kraftvollen Sopran. Und das dramatisch-ernste "Lied der Trennung"
wird von Tino Brütsch in genau passender Gefühlslage
dargeboten: schwermütig, ohne Pathos, mit schlankem Timbre.
Höhepunkt des Abends ist das szenische Terzett "Der Hochzeitsbraten"
von Franz Schubert. Nicht nur die Musik, sondern
auch das heitere Libretto stammt von dem großen romantischen Komponisten,
der hier seinen Sinn für bodenständigen Humor
unter Beweis gestellt hat. Die Handlung bewegt sich im Dreiecksspiel, doch statt
eines Rivalen lässt Schubert einen Retter der
Not auftreten. Therese (Michaela Oberndorfer) und Theobald (Tino Brütsch)
wollen heiraten, doch fehlt das Geld für den
Hochzeitsbraten. Der gemeinsame Plan, nachts im Wald einen Hasen zu schießen,
wird durchkreuzt vom Auftauchen des
flotten Jägers Caspar (Markus Volpert), der jedoch - hingerissen von den
Reizen der Braut - Gnade vor Recht ergehen lässt.
Die szenische Aufmachung ist wirklich gelungen, nicht mit Biedermeierrüschen
überladen, aber Hochzeitskleid, Frack und
Jägeruniform passen eben doch besser ins Bild als der moderne Schmuddel-Look.
Natürlich sind es wieder die wundervollen Stimmen der drei Solisten, die
am meisten beeindrucken. Ein großes Lob gebührt
aber auch dem Orchester, das auf historischen Instrumenten spielt und seine
Kunst bestens beherrscht. Eine gute Idee war
es, den Zuschauern ein Programmheft an die Hand zu geben, das neben Namen und
Inhalten auch einige
Hintergrundinformationen vermittelte. So etwas wirft man hinterher auch nicht
in den Papierkorb. Die Veranstalter dürfen mit
dem Erfolg dieses Mozartfestes sehr zufrieden sein; wer die großen Konzerte
besucht hat, nimmt bleibende Eindrücke mit.
Bianca Flier